Fotografie
In meiner Arbeit „Die Zeit dazwischen – 2621 Kilometer Erinnerung“ füge ich persönliche Erinnerungen und Bilder zu einem kollektiven Erinnerungsstrom zusammen.
Ausgangspunkt hierfür sind die lebensgeschichtlichen Erfahrungen und Erinnerungen meines Großvaters. Hierfür reiste ich 2621 Kilometer durch Osteuropa und hielt Landschaften und Orte fest, die als beständiger stummer Zeuge die Jahre 1945/1946 miterlebt haben und sich bis heute ihre Zeitlosigkeit bewahren. Ebenso fotografierte ich Menschen, die zur selben Zeit am selben Ort wie mein Großvater waren, hier jedoch Geschichte(n) aus anderer Perspektive erlebten.
Die aktuellen Portraits der Frauen und Männer und ihre persönlichen Dokumente aus der Vergangenheit ergeben kein lineares, konsistentes Bild. Es existiert hingegen eine lebendige Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die sich in den Gesichtern der Menschen abbildet, in ihre Körper und deren Ausdrucksgestalt eingeschrieben ist.
Um die Erfahrungen meines Großvaters und die Erinnerungen der fotografierten Zeitzeugen zu verbinden, lies ich persönliche Aussagen in Textform in meine Arbeit einfließen. Erfahrungen von Verfolgung und Vernichtung, von Krieg, Vertreibung, Flucht und Ankommen gewinnen so ihre Gestalt als Erzählung, die keiner einheitlichen Stimme folgt.